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Skoliose: Ursachen, Diagnosen, Therapie

| Veröffentlicht am: 4. März 2020
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Veröffentlicht am: 4. März 2020 
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Eine Skoliose ist eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit einer Drehung der Wirbelkörper. Ohne Behandlung verschlimmert sie sich im weiteren Wachstum meist zunehmend und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

In diesem Artikel möchte ich Sie über die Ursachen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten einer Skoliose aufklären.

Was ist eine Skoliose?

Den Begriff Skoliose haben Sie vielleicht schon mal gehört, können sich aber nicht so richtig was darunter vorstellen?

Dann möchte ich es Ihnen gerne erklären.

Unter einer Skoliose versteht man eine Abweichung der Wirbelsäule von der Norm. Die Wirbelsäule ist zur Seite geneigt und gedreht (rotiert). Dadurch kommt es zu einer Verformung des Körpers und einem Längenverlust der Wirbelsäule.

In 80-90% der Fälle ist unklar, warum eine Skoliose entsteht.

Skoliose
Darstellung einer Skoliose (rechts) vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, DPA

Skoliose ist eine dreidimensionale Verformung der Wirbelsäule. Sie entsteht, wenn sich einzelne Wirbelkörper um ihre eigene Achse verdrehen.

Jeder Mensch hat eine leichte bis schwere Fehlhaltung und man spricht erst ab einem Cobb Winkel von 10° von einer Skoliose, das sind 3-5% der Bevölkerung.

Cobb Winkel…was ist das?

Der Cobb Winkel wird per Röntgenbild ermittelt und ist das Maß für die Stärke einer Wirbelsäulenverkrümmung und wird in regelmäßigen Abständen neu ermittelt, um den Verlauf der Skoliose zu beurteilen.

Wichtige Infos zum Verständnis einer Skoliose

Sie wissen nun schon, das sich die Wirbelsäule verändert bei einer Skoliose und das, je nach Schweregrad, es optisch zu sehen ist, es Beschwerden macht in Form von Schmerzen, Atemnot oder Bewegungseinschränkungen.

Worauf können Sie bei sich oder ihren Kindern achten?

Erste Hinweise auf eine Skoliose können Sie auch selbst erkennen. Achten Sie dabei auf folgende Auffälligkeiten:

  • Kopfschiefstand
  • Schulterhochstand
  • Wirbelsäule schief/ Rippenbuckel
  • Taillendreiecke verschieden groß
  • Beckenschiefstand

Mein Expertentipp:
Kinder in der Pubertät mögen sich nicht mehr gerne vor ihren Eltern ausziehen oder schließen sich im Bad ein, deshalb fällt es vielen Eltern gar nicht auf, das sich der Körper des Kindes verändert. Mädchen tragen häufig lange Haare, der wie ein Vorhang die Wirbelsäule verdeckt.

Sollte bei Ihrem Kind eine Skoliose diagnostiziert werden, dann machen Sie sich bitte keine Vorwürfe, das sie es nicht früher bemerkt haben…es geht vielen Eltern so!

Nutzen Sie die Zeit im Schwimmbad oder beim Sport, wenn die Kinder in T-Shirt, Badehose oder Bikini rumlaufen und schauen sich ihr Kind mal genauer an und beachten die oben genannten Anzeichen.

Wann und warum entsteht eine Skoliose?

Meist bildet sich im Wachstum die Skoliose und der Arzt stellt es zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr fest. Mädchen sind 4x häufiger betroffen als Jungs.

Deshalb ist die Früherkennung so wichtig, um rechtzeitig mit Therapie und Sport beginnen zu können, aber dazu gleich noch mehr Infos.

In 80-90% der Fälle ist die Ursache unbekannt und der Arzt spricht dann von einer idiopathischen Skoliose. Man nimmt heutzutage an das es hormonelle oder erblich bedingte Ursachen sein können.

Eine Skoliose kann allerdings auch nachweisbare Ursachen haben wie zum Beispiel:

  • angeboren durch eine Fehlbildung eines oder mehrerer Wirbelkörper
  • durch Muskelerkrankungen
  • durch Verletzungen, Tumore, Knochenveränderungen
  • durch neurologische Gründe, z.B. Spastik

Was passiert wenn es nicht behandelt wird?

Dazu schauen wir uns den Aufbau der Wirbelsäule einmal an:

Aufbau Wirbelsäule
Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln: 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel, 5 Lendenwirbel.

Darunter sitzt das Kreuzbein, das aus weiteren 5 miteinander verschmolzenen Wirbeln besteht.

Die Wirbelsäule ist wie eine S Form gebildet und somit nicht gerade wie ein Stock, sondern gewölbt.

Wenn diese Wölbung nun aus dem Lot gerät, dann wird die Wirbelsäule während der Wachstumsphase oder später in den Wechseljahren, wenn es zu einem veränderten Hormonhaushalt kommt, ohne Therapie und somit Korrektur immer schiefer.

Eine Skoliose ist am Anfang nicht sichtbar, dann sichtbar, aber ohne Beschwerden zu machen und irgendwann fangen möglicherweise Nacken-und/oder Rückenschmerzen an.

Sieht eine Skoliose immer gleich aus und hat jeder die gleichen Beschwerden?

Man unterscheidet die Skoliose nicht nur nach dem Alter in der sie auftritt (Baby, Kleinstkind, Jugendlicher, Erwachsener), sondern auch nach dem Ort ihrer Krümmung im Bereich der Wirbelsäule.

Z.B. sind 80% aller Skoliosen throrakal rechts konvex.

Diese Bezeichnung steht auf dem Rezept vom Arzt und gibt darüber Auskunft, wo sich die Krümmung befindet:

  • Thorakal: in der Brustwirbelsäule
  • Rechts: auf der rechten Seite
  • Konvex : nach außen gewölbt/ verschoben
Scoliosis Of The Thoracic
Skoliose in der Brustwirbelsäule

Formen der Wirbel­säulenabweichung

Wirbelsäulenkrümmung
Die unterschiedlichen Arten der Wirbelsäulenkrümmung

Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich und natürlich auch vom Schweregrad der Skoliose abhängig. Manche Skoliotiker haben gar keine Beschwerden.

Am ehesten machen sich Schmerzen bemerkbar in unterschiedlichen Regionen des Körpers und das ist oft der Auslöser zum Arzt zu gehen.

Einige Patienten sehen im Spiegel das sie irgendwie schief sind, oder das sie sich schief fühlen wenn sie sich gerade hinstellen.

Mein Expertentipp: 
Bewegungsmuster haben sich über lange Jahre eingeschliffen und wir empfinden sie als normal und fühlen uns gerade, auch wenn wir im Spiegel sehen das wir schief sind.

Das ist der Grund, warum Selbsttherapie im Rahmen der Skoliose sehr schwierig ist und es keine allgemeingültigen Übungen gibt.

Es bedarf einer Fachkraft mit deren Hilfe der Patient erstmal sein Skoliosemuster verstehen lernen muss. Danach kann man unter Anleitung einer Schroth Therapeutin das neue Bewegungsmuster einüben und dann später auch selber täglich zuhause trainieren. Wichtig ist immer wieder die regelmäßige Kontrolle durch den Therapeuten.

Was mache ich beim Verdacht auf Skoliose?

Sollten Sie bei sich oder Ihrem Kind eins der oben beschriebenen Anzeichen erkennen, dann gehen Sie zum Orthopäden und lassen es überprüfen. Der Arzt sollte noch ein Röntgenbild anfertigen lassen, um den Cobb Winkel bestimmen zu können.

Diagnose Skoliose- und jetzt?

Wenn der Arzt die Diagnose Skoliose gestellt hat, dann sollten Sie mit Ihrem Kind zu einer Physiotherapiepraxis gehen, in der nach Schroth behandelt wird.

Schroth ist die spezielle Behandlungsform der Physiotherapie bei Skoliose.

Die Schroth Therapie wurde 1920 von Katharina Schroth, die selber eine Skoliose hatte, entwickelt und später von Ihrer Tochter Christa Lehnert-Schroth weitergeführt.

Für die Behandlung der Skoliose spielt nach Schroth die Ergründung der Ursache eine untergeordnete Rolle.

Maßgebend lautet die Frage: Was finde ich vor und wie kann ich es ändern?

Wie muss ich mir eine Schroth Behandlung vorstellen?

Der Patient bekommt anatomische Kenntnisse über sein Skoliosemuster vermittelt, um zu verstehen wie seine Wirbelsäule aussieht und sich bewegt.

Während des Übungsprozesses versucht der Patient sich unter Spiegelkontrolle und mithilfe seiner Atmung (die sog. Dreh. Winkel-Atmung) optimal aus zu korrigieren. Anschließend wird die korrigierte Haltungsposition durch bewusste Wahrnehmung von Muskellänge, Muskelspannung, Muskelentspannung und Gelenkstellung verinnerlicht.

Dann erlernt er mithilfe des Therapeuten ein neues Bewegungsmuster, entgegen der Skoliose und bekommt mit der Zeit ein neues Körpergefühl.

Diese Therapie ist sehr effizient, erfordert aber auch viel Verständnis, Disziplin und eigenes Training von Seiten des Patienten.

Ziele dieser Behandlung

  1. Entwicklung von Selbstkompetenz und geeignete Bewältigungsstrategien
  2. Dreidimensionale Wirbelsäulenkorrektur und Krümmungsaufrichtung
  3. Progredienzvermeidung (Aufhalten der Verschlechterung)
  4. Korrektur der skoliotischen Körperhaltung
  5. Verbesserung der Vitalkapazität
  6. Verbesserung der Akzeptanz und Kosmetik
  7. Entwicklung und Durchführung eines Hausaufgabenprogramms
  8. Verbesserung der Compliance bei Korsettindikation
  9. Schmerzreduktion
  10. Operationsvermeidung

Was kann ich tun, um eine Skoliose zu vermeiden / zu mindern?

Korsett bei einer Skoliose

Das Korsett ist eine wachstumslenkende Maßnahme, um die Auswirkungen der Skoliose möglichst zu vermeiden oder zumindest zu vermindern. Es gibt viele verschieden Korsettformen und unterschiedliche Vorgaben zur Tragezeit.

Mein Expertentipp:
Sprechen Sie sich immer sehr eng mit dem Orthopäden, dem Physiotherapeuten und dem Korsettbauer ab, denn nur so ist ein optimales Ergebnis zu gewährleisten. Hier geht es um Teamarbeit zum Nutzen Ihres Kindes!

Sport bei einer Skoliose

Da es bisher keine gesicherten Hinweise gibt, das bei bestehender Skoliose bestimmte Freizeitaktivitäten/ Hobbys zu einer Krümmungszunahme führen, bzw. eine bestehende Skoliose im Sinne einer Progredienz negativ beeinflussen, halten wir eine Reglementierung bzw. Verbot dieser Aktivitäten für nicht gerechtfertigt.

Asklepios Katharina Schroth Klinik, Bad Sobernheim

Ausführliche Informationen zu Sportarten, die Sie treiben dürfen oder lieber sein lassen sollten, lesen Sie in unserem Blogbeitrag: Skoliose & Sport - das sollten Sie beachten.

Mein Expertentipp:
Muskelaufbau, Körperwahrnehmung und Spaß an Bewegung ist sehr wichtig, besonders bei einer Skoliose. Wenn bestimmte Bewegungen oder Sportarten einem nicht gut tun (joggen, Trampolin springen o.ä. ruck- und stoßartige Bewegungsabläufe) dann sollte man sich was anderes suchen.

Wichtig ist überhaupt Sport zu treiben!

Pilates bei einer Skoliose - die positiven Auswirkungen

Im Pilatestraining gibt es viele Ähnlichkeiten mit der Schroth Behandlung:

  • Aufrichtung der Wirbelsäule
  • Atmung
  • Ausrichtung im Lot
  • Aufbau eines Muskelkorsetts
  • Körperwahrnehmung schulen

Die Kombination aus Pilates und Schroth ist eine wundervolle Möglichkeit von beiden Ansätzen zu profitieren.

Es ist keine reine Krankengymnastik und somit Therapie, sondern auch eine Sportart und somit Training. Diese Trainingstherapie lässt sich auf die Matte oder auf die Pilatesgroßgeräte übertragen und es wird trainiert, aber entgegen dem eigenen Skoliosemuster.

Also Pilatestraining unter dem Gesichtspunkt des Schrothschen Gedankens und somit entsprechend effektiv abgewandelt.

Damit Pilates wirksam werden kann, ist eine Fachtrainerin (ausgebildet von einem Ausbildungsinstitut des DPV) absolut notwendig, die sowohl viel Erfahrung und fundierte Kenntnisse der Pilatesmethode hat, als auch eine sehr gute und zertifizierte Schrothausbildung.

Mein Expertentipp:
Dieses Training soll im Einzelcoaching erfolgen, um erst mal die Wahrnehmung und Kenntnisse über die eigene Skoliose zu erlangen und den Pilatesansatz zu verstehen. Danach kann dann bei mir auch in einer Kleinstgruppe mit max. 3 Teilnehmern trainiert werden.Sie profitieren von einem auf Sie zugeschnittenen Training, aber nutzen auch die Motivation und den Spaß in einer Gruppe.

Nutzen Sie diese einmalige Möglichkeit des Trainings in München und vereinbaren noch heute einen Termin für Ihr 1. Pilates-Skoliose-Training mit mir!


Literatur/Quellen

  • Lehnert-Schroth, Christa; Dreidimensionale Skoliosebehandlung
  • Calais-Germain, Blandine; Anatomy of Motion
  • Black, Madeline; Centered
  • Weiss, H.R.; Korsettversorgung, Krankengymnastische Skolioseversorgung, Morbus Scheuermann
  • Weiss, H.R.; Wirbelsäulendeformität, konservatives Management
  • Wikipedia; Diagnose
  • Deutsches SkolioseNetzwerk Bonn
  • Bundesverband Skolioseselbsthilfe e.V.

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